Auf den Spuren des Bibers

Zwei Erfahrungsberichte in einem: Der Wanderweg Hohes Elbufer im Sommer 2017 und Herbst 2018

Die Heute möchte ich Dir von meinen Wanderungen am hohen Elbufer bei Geesthacht erzählen. Ich bin diese Strecke nun schon zwei mal gewandert, weil sie einfach unglaublich schön und außerdem gut erreichbar ist. Das erste Mal war es im Hochsommer, ich bin allein mit Cosmo von Tesperhude nach Schakenbek und zurück gewandert, beim zweiten Mal war ich im Herbst gemeinsam mit meinem Vater unterwegs. Hier gibt es übrigens die Route zum nachwandern.

Wenn man in Hamburg wohnt, ist es naheliegend, dass man auf die Idee kommt, irgendwann mal an der Elbe wandern zu gehen. Als erstes kommt einem da das Elbufer in Blankenese in den Sinn oder auch das Hafengebiet. Ich bin allerdings wie immer darauf aus, möglichst viel Natur und möglichst wenig menschliche Einflüsse zu erleben, deshalb kam ich über den Tourenplaner Komoot auf die Gegend in Schleswig-Holstein um Geesthacht.

Noch am selben Morgen stecke ich Cosmo in den Kofferraum und fahre los. Vorbei am seit einigen Jahren stillgelegten Kernkraftwerk Krümmel – etwas beunruhigend ist die direkte Nähe zu diesem Ungetüm schon, Cosmo warum siehst du heute eigentlich so strahlend aus…?

Ich stelle den Wagen ab und Cosmo springt in freudiger Erwartung heraus. Noch ist es etwas frisch und ich behalte meinen Pullover an. Das erste Stück des Weges führt vorbei an einem belebten Campingplatz, der zwischen unserem Weg und dem Wasser liegt. Kinder lachen und die Erwachsenen genießen die Sonne. Ich kann mir vorstellen, dass man hier gut seinen Sommerurlaub verbringen kann.

Als ich ein Jahr später den selben Weg am Campingplatz vorbei laufe, ist er komplett leer gefegt. Es ist November, der goldene Herbst zeigt sich von seiner aller schönsten Seite. Durch die gelben und orangen Blätter funkelt die Elbe in der Sonne. Mein Vater und ich sinnieren, wo wohl im Sommer die Wohnwagen und Zelte gestanden haben könnten. Dann entschließen wir uns, den Hinweg oben am Hang, den Rückweg unten am Wasser zurück zu legen und schlagen den erstbesten Weg links in den Wald ein. Alle Fußwege sind mit trockenem Laub bedeckt, das mit jedem Schritt laut raschelt. Für Cosmo, der natürlich auch wieder mit von der Partie ist, gibt es hier allerlei zu erschnüffeln.

Wir treffen auf eine aufgeregte Waldkindergarten-Gruppe, die mit ihrem Erzieher am Boden herum kauert, ich glaube sie gucken sich Insekten an.

Das Kindergeschrei wird hinter uns leiser und langsam wundern wir uns, dass wir uns immer weiter von der Elbe entfernen, wahrscheinlich sind wir etwas zu früh abgebogen. Aber das macht ja nichts, wir gehen einfach ein Stück querfeldein durch den lichten goldgelben Wald. Hinter einem kleinen Hügel finden wir den richtigen Weg, der uns am hohen Elbufer entlang führt.

Im Jahr zuvor ist meine Route dieselbe, jedoch genau anders herum. Ich starte unten am Ufer, während ich den Rückweg oben entlang geplant habe. Ich lasse den lärmenden Campingplatz hinter mir und von jetzt an habe ich immer das Elbufer unmittelbar rechts neben mir. Schiffe ziehen langsam vorbei. Ich genieße die Ruhe und die Natur, alte knorrige Bäume stehen am Hang und spenden mir angenehmen Schatten, während es immer heißer wird. Eine Wanderer-Gruppe kommt mir entgegen. Zwanzig Leute in jedem Alter lassen sich von einem Wanderführer die Elbe zeigen. Auch eine schöne und lehrreiche Möglichkeit, diese Gegend zu erkunden, denke ich mir. Trotzdem bin ich lieber ohne große Gruppe unterwegs.

Cosmo zeigt mir einen kleinen Pfad, der noch näher ans Wasser führt. Ich bin dankbar dafür, ihn dabei zu haben, denn sonst hätte ich diesen Weg vielleicht nie gefunden. Zwischen Schilf und Weiden hindurch gehend finde ich eine kleine Sandbank, die noch an einer Stelle mit dem Land verbunden ist, so dass man sie vom Strand aus betreten kann. Ich werfe Cosmo einen Stock ins Wasser, damit er sich etwas abkühlen kann. Fröhlich springt er in die Elbe und paddelt ein wenig herum. Mittlerweile sind es fast 25 Grad und die Mittagssonne tut ihr übriges.

Ganz im Gegensatz zu unserer Wanderung im Herbst. Ein frischer Wind weht uns um die Ohren und ich habe zum Glück noch eine extra Hose zum Überziehen in meinem Rucksack. Wir treffen auf den ersten Aussichtspunkt am Hohen Elbufer. Eine Infotafel, die gleichzeitig ein Liegestuhl ist, bietet uns einen Platz zur Rast mit atemberaubender Aussicht auf die Elbe. Cosmo rennt permanent am Hang auf und ab, während wir Fotos machen und uns mit Obst stärken. Die Atmosphäre fühlt sich an wie in einem schönen Traum, es ist ein Moment, der bleibt.

Nach unserer Pause schlüpfe ich in meine andere Hose und wir wandern weiter Richtung Schakenburg. Zwischendurch wundern wir uns einmal kurz, dass wir so weit unten am Weg laufen, denn hier wollten wir ja eigentlich erst auf dem Rückweg lang.

Tipp für Kaffee

Nach etwa sieben Kilometern erreichen wir unseren Wendepunkt, markiert durch das gemütliche Café Alter Sandkrug, wo wir uns einen Kaffee und ein viel zu großes Stück Kuchen im Landhaus-Flair gönnen. Cosmo döst neben unserem Tisch auf dem Fliesenboden. Leider nicht lange, denn er hat es weitaus eiliger, als wir, wieder aufzubrechen. Um die anderen Gäste nicht mit seiner Unruhe zu nerven, kommen wir dem nach. Im Außenbereich des Cafés sind alle Stühle und Tische zusammen gestapelt und warten auf wärmere Tage.

Als wir wieder auf den Wanderweg kommen, treffe ich einen alten Bekannten. Am Wegrand sitzt ein kleiner Biber regungslos im Gras. Natürlich kein echter, sondern ein Abbild aus Metall, denn dies ist nebenbei auch ein Lehrpfad über Biber.

Voriges Jahr hat er Cosmo fürchterlich erschreckt. Als er den Biber entdeckt, bellt er ihn verwirrt an. Ich versuche Cosmo zu zeigen, dass er nichts zu befürchten hat und lege dem Biber ein Leckerchen auf den Kopf. Langsam traut Cosmo sich heran, immer noch etwas verunsichert und schnappt es sich.

Hund Cosmo frisst Leckerlie vom Biber
Wanderschuhe mit Blick auf Elbe

Ich treffe auf das gut besuchte Café, Gäste sitzen bei Erdbeerkuchen und Capuccino im Gartenbreich unter Sonnenschirmen beisammen. Doch mich verlangt es heute nicht nach Süßspeisen, deshalb kehre ich nicht ein. Lieber möchte ich endlich oben am hohen Elbufer zurück Richtung Tesperhude wandern. An diesem Tag sehe ich die Aussichts-Liegestühle zum ersten Mal und mache hier eine Pause. Der Hund findet es hier oben ziemlich langweilig, er bleibt die meiste Zeit am Wasser, während ich befürchte, dass er verloren geht… Ich muss mir ins Gedächtnis rufen, wie anhänglich er ist. Er wird schon wieder zurück kommen und so ist es dann auch. Die Elbe glänzt heute silbern durch die Lichtung und es herrscht nicht viel Schiffsverkehr.

Ich haben schon gut zwölf Kilometer gemacht, es fehlt also nicht mehr viel. Bei der Wärme passt mir die Kürze der Route gut.

Hund hält Ausschau

Im Jahr darauf sieht die Elbe golden aus, die Sonne ist schon dabei unterzugehen, man merkt dass die Tage wieder kürzer werden. Trotzdem haben wir noch genug Zeit für den Rückweg. Wir unterhalten uns über den sogenannten Jahrhundertsommer und anderes. Plötzlich bemerken wir, dass wir wieder an der Stelle angekommen sind, an der wir uns auf dem Hinweg gewundert haben. Offenbar ist ein Teil des Weges aus Naturschutzgründen nicht mehr zugänglich. Die kleine Sandbank gehört nun den Vögeln und Bibern. Schade für uns, denn ich hätte sie meinem Vater gern gezeigt. Trotzdem haben wir Verständnis und finden später doch noch ein Stückchen Strand, das man betreten darf. Ich baue einen Turm aus Steinen, wohl wissend wie vergänglich er ist und dass die nächste Flut ihn sicher wieder einreißen würde. Cosmo läuft schnuppernd im Sand hin und her, entdeckt mein Türmchen und wirft es mutwillig mit seiner Pfote um! So was!

Sonnenuntergang Elbe bei Hamburg

Auch diese Wanderung neigt sich dem Ende zu, nun nehmen wir nochmal die ganze Atmosphäre auf, versuchen uns diese besondere Landschaft genau einzuprägen und sie zu genießen. Mit dem Blick für Details fällt uns ein Baum mit Piercing auf, eine metallene Infotafel zeigt uns die Nahrung der Biber und in einem kleinen Weiher schwimmt ein Schwan.

Nordwanderin am Ufer

Wir treffen erneut auf den Campingplatz, der uns zeigt, dass wir fast am Ziel unserer Route angelangt sind. Cosmo trottet müde vor uns her, aber selbst wenn er langsam läuft, ist er schneller als wir und wartet alle paar Meter darauf, dass wir hinterher kommen. Der Parkplatz kommt in Sicht und wir treten erschöpft aber glücklich die Heimreise an.

Auf dieser Wanderroute hat man im Grunde keine Chance, sich zu verlaufen, da die Elbe einem jederzeit Orientierung bietet. Deswegen kann ich jedem, der Angst hat, sich zu verirren, nur empfehlen, eine Route an einem Fluss oder auch um einen See zu wählen. Man braucht keine Karte oder Ähnliches und ich habe meine GPS-Daten nur aus Interesse getrackt.
Wer mag, kann die Route natürlich auch noch über Schnakenburg hinaus erweitern oder einen anderen Startpunkt wählen.

Die Strecke ist wirklich einmalig und ich überlege schon, sie nochmals zu erkunden, sobald es mal wieder im Winter schneit.
Ich hatte sowohl alleine, als auch zu zweit riesigen Spaß und Cosmo ja sowieso. Es ist eigentlich ein Muss für jeden Hundebesitzer im Sommer. Man kann jedes Mal Neues entdecken, über die Jahre wandelt sich das Ufer immer wieder.

3 Gedanken zu “Auf den Spuren des Bibers

  1. Pingback: Wandern in Hamburg Blankenese – Nordwandern

  2. Wirklich schöner Tourbericht mit tollen Fotos! Die Strecke kenne ich noch nicht, aber jetzt steht sie auf meiner Liste ziemlich weit oben, Danke! Viel Erfolg für dieses blogprojekt, Maike, vielleicht treffen wir uns ja mal bei den Reisebloggern Hamburg!

    Lg
    Alex (ein Kollege von Draussenlust.de)

    Gefällt 1 Person

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