Etappen-Wanderung Heidschnuckenweg Teil 1

Wann genau mir die Idee kam, den Heidschnuckenweg zu wandern, weiß ich nicht mehr. Was ich aber weiß, ist dass ich schon länger Lust auf Fernwandern hatte. Es würde das erste Mal sein, dass ich so etwas mache und ich wollte es unbedingt allein machen. Alleine kann ich ganz in meinem eigenen Tempo laufen. Ich finde meinen Rhythmus und habe die Möglichkeit, die Wanderung mit allen Sinnen zu genießen. Meinen Hund, Cosmo, nehme ich dennoch mit, denn er versteht sich darauf, sich meinem Rhythmus anzupassen und motiviert mich, neugierig zu bleiben.

Vorher informiert habe ich mich auf der Homepage der Lüneburger Heide und ich habe für mich einen persönlichen Tourguide inklusive Packliste geschrieben, den Du Dir hier als Inspiration ansehen kannst. Der Heidschnuckenweg hat insgesamt 13 Etappen, von denen ich mir sechs Etappen ausgesucht habe, denn ich hatte eine Woche Urlaub. Meine letzte Etappe habe ich stark abgewandelt, um zum nächstgelegenen Bahnhof zu gelangen. Die Unterkünfte habe ich im Voraus reserviert und für jede einzelne angefragt, ob Hunde erlaubt sind. Falls Dich weitere Bilder und Videos meiner Wanderung interessieren, gibt es bei Instagram meine komplette Wanderung als Highlight-Story.

Etappe 1: Undeloh – Niederhaverbeck

Die Anreise selbst ist ein einziges Abenteuer. Mit der Bahn starte ich in Hamburg, geplante Fahrzeit anderthalb Stunden. Cosmo ist zwar ein begeisterter Wander- und Autofahr-Hund, aber Bahn fahren liegt ihm nicht. Was ich außerdem nicht wusste: Hunde brauchen eine eigene Fahrkarte. Ich habe Glück mit meiner Schaffnerin, die für uns ein Auge zu drückt. Trotzdem bleibe ich verwundert zurück, als es dann noch heißt, dass der Maulkorb nicht Vorschrift sei. Nach weiteren zwanzig Minuten steige ich in Undeloh aus dem Bus. Nun bin ich auf mich gestellt und gehe los. Aber in welche Richtung eigentlich?

Ich entdecke das erste weiße für Heidschnuckenweg auf schwarzem Grund. Die Route von Undeloh über Wilsede nach Niederhaverbeck gehört zu den abwechslungsreichsten und schönsten Abschnitten des Heidschnuckenweges. Ich erinnere mich gut an eine Rundtour vor genau einem Jahr, als ich das erste Mal in dieser Gegend wandern war. Damals, an einem sonnigen Samstag, waren deutlich mehr Wanderer unterwegs und wir sind sogar einer Heidschnuckenherde begegnet.

Auf sandigen Pfaden wandere ich durch das Radebachtal zwischen trockenen Heidesträuchern hindurch. Ich möchte nichts beschönigen – nach diesem heißen Sommer hatte es selbst die robuste Erika schwer.

Und doch finde ich noch einige kleine Heideflächen, die der Trockenheit trotzen konnten. Die Pflanzen leuchten in zartem violett, Bienen fliegen summend von Blüte zu Blüte. Die Wege aus weißem Sand laden dazu ein, ein Stück barfuß zu wandern. Zwischen Wacholderbäumen und Birken steht eine alte Schäferhütte und erzählt von Zeiten, in denen hier noch weit mehr Heidschnucken gelebt haben. Zeiten, in denen gut 400.000 Schafe die Heidelandschaft in Niedersachsen gepflegt haben. Heutzutage sind nur noch ca. 15.000 Tiere davon übrig geblieben. In Wilsede kann ich aus der Ferne beobachten, wie eine Schulklasse an einer Heidschnucken-Koppel versammelt steht.

Ich habe Wilsede fast durchquert. Gerade fotografiere ich einen Wegweiser, der zeigt, dass ich mich nun auch auf dem Jakobsweg befinde, als sich plötzlich der Himmel auftut und einen Platzregen über Cosmo und mich ergießt. Als ich meine Regenjacke endlich aus dem Rucksack gezerrt habe, ist es längst zu spät. Ich bin nass bis auf die Knochen. Schnell drehe ich um und flüchte mich in eine Gaststätte, wo ich mir einen Cappuccino bestelle. Da es trotzdem noch einigermaßen warm ist, vergeht mir die gute Laune aber nicht, es ist ja schließlich nur Wasser! Sicherheitshalber stülpe ich mir meine Regenhose über die klatschnassen Leggings.

Kurz darauf wage ich den Aufstieg zum Wilseder Berg. Ich würde ihn zwar eher als Hügel bezeichnen, dennoch ist es der höchste Punkt in dieser Gegend und man hat eine wunderschöne Aussicht auf die umliegenden Heidetäler. Durch den wolkenverhangenen Himmel bekommt die Landschaft nur noch mehr Tiefe und ein leichter Nebel liegt über den Feldern. Ich gehe ein wenig auf der Hochebene herum, außer mir ist nur ein junges Pärchen hier. Vor genau einem Jahr stand ich schon ein mal hier oben, zu der Zeit war dieser Ort völlig überlaufen von Menschen. Daher kann ich Dir ans Herz legen, nicht an einem sommerlichen Wochenende in der Lüneburger Heide wandern zu gehen. Heute hat dieser Ort viel mehr Charakter.

Wilseder Berg

Nun ist der Weg nicht mehr weit bis zu meiner Unterkunft in Oberhaverbeck, welches direkt neben Niederhaverbeck liegt. Heute habe ich fast 18 Kilometer zurück gelegt. Cosmo und ich bekommen ein winziges, aber wirklich gemütliches Dachgeschosszimmer, wo ich mein Abendbrot esse. Die nassen Sachen hänge ich über einen Stuhl. Es stellt sich heraus, dass ausgerechnet heute mein Ladegerät kaputt gegangen ist, aber ich kann mir glücklicherweise bei der Pension eines ausleihen. Ich habe außerdem meinen E-Reader dabei, beginne das Buch Die Schicksalsgabe*und schlafe darüber erschöpft ein.

Etappe 2: Niederhaverbeck – Bispingen

Nach dem Frühstück mache ich mich wieder auf den Weg. Meine Kleider sind glücklicherweise über Nacht gut getrocknet und heute ist wirklich perfektes Ausflugs-Wetter. Zunächst führt mein Weg mich durch weitere Heideflächen, hier und da stehen Wacholderbäume und machen das Landschaftsbild komplett. Ich komme an einem Buchweizenfeld vorbei und überlege, welche Gerichte ich aus diesem leckeren Getreide kochen würde. Mir fällt auf, dass mein Wander-Shirt die selbe Farbe, wie die blühende Heide hat.

Hier schließt ein Heidegebiet fast nahtlos ans nächste an. Es sind heute mehr Wanderer unterwegs, meist allein oder zu zweit. Ich gelange in die wunderschöne Behringer Heide, hier steht auch der alte Bockelmanns Schafstall. Glücklich hüpft Cosmo vor mir her, er denkt wahrscheinlich, dass unser Leben jetzt für immer so weiter gehen wird, immer in Bewegung, immer in der Natur, in Ausgeglichenheit und Gelassenheit. So fühlt es sich zumindest auch für mich an.

Mittags esse ich in einem der zwei Lokale von dem kleinen Ort Behringen ein Bauernfrühstück. Als sich Leute mit einem Hund in das Restaurant setzen, beschnuppern sich unsere Hunde und wir unterhalten uns ein wenig. Die meisten Hundehalter kennen das – man kommt mit anderen Hundebesitzern immer leicht ins Gespräch. Ich frage die Wirtin, ob ich meine Wasserflasche hier auffüllen darf und gehe in die Damentoilette. Leider sind die Waschbecken so klein, dass meine Flasche nicht unter den Wasserhahn passt, also muss ich wohl oder übel meine Hände als Kelle benutzen und hinterlasse eine riesige Pfütze um das Waschbecken herum…

Hinter Behringen finde ich den Brunausee, wo ich meine Mittagspause auf einer idyllischen Bank verlängere. Meinen Rucksack als Kissen, strecke ich mich in der Sonne aus. Es ist ruhig, Cosmo planscht ein wenig mit den Pfoten im Wasser herum. Hin und wieder kommen hinter mir Spaziergänger vorbei.

Brunausee

Schritt für Schritt komme ich meinem Etappenziel Bispingen näher. Ich folge dem Flüsschen, der Brunau. Dabei kommt langsam Lärm von der Autobahn auf, ich muss die A7 das erste Mal überqueren. Leider hört man sie viele Kilometer weit rauschen. Nahe Hützel finde ich eine Heide-Kuhle, ein unberührtes Tal, um das ich, an abgesackten Bänken vorbei, herum wandere.

Im Ortskern von Bispingen habe ich im Voraus keine Unterkunft gefunden, daher muss ich noch zwei Kilometer an der Straße zu meinem Hotel laufen. Diese Strecke dehnt sich in meinem Empfinden ewig aus und ich bin einfach nur froh, als ich die Füße hoch legen kann. 16,2 Kilometer waren es an diesem Tag, die ich zu Fuß zurück gelegt habe. Abends wasche ich noch mein Wäsche im Waschbecken und hänge sie über die Heizung. Da mein Zimmer keinen Fernseher hat, greife ich wieder auf mein Buch zurück.

Etappe 3: Bispingen – Soltau

Dies ist der bisher heißeste Tag auf meiner Tour. Und das ausgerechnet, wo die längste Etappe bevor steht. Zunächst fahre ich mit dem Bus nach Bispingen, da ich ein ganzes Stück vom Heidschnuckenweg abgekommen bin. Der Busfahrer fragt: „Gibt es Dich eigentlich auch ohne Hund?“ Nanu, Cosmo und ich sind hier in der Gegend wohl schon bekannt… Die Linienbusse erinnern mich stark an Reisebusse. Mangels Anzeigetafel muss ich dem Busfahrer vorher mitteilen, an welcher Haltestelle ich aussteige und er sagt mir dann rechtzeitig Bescheid.

Ole Kerk Bispingen

Ich springe auf die Straße von Bispingen und besichtige die Stadt. Nahe des Ortskerns steht die Ole Kerk, eine hübsche alte Kirche, erbaut 1353. Die alten Gemäuer haben viel zu erzählen. In der Ferne hört man in regelmäßigen Abständen ein wahnsinnig lautes Poltern, ich nehme an, dass es vom Snowdome her rührt, wo Menschen im Sommer Ski fahren können. Durch ein Wohngebiet komme ich zu einem schmalen Pfad, der mich zwischen der Luhe und Bahngleisen immer geradeaus führt. Hier mache ich Bekanntschaft mit der Hirschlausfliege. Als wäre es nicht genug, dass Cosmo und ich in diesem Gebiet alle paar Meter von zahlreichen Zecken geplagt werden. Nun landen auch noch diese lästigen Fliegen wirklich überall auf uns, auch am Kopf. Sie sind wie Zecken mit Flügeln. Ich habe zwar ein Zeckentool dabei, hätte jedoch nicht gedacht, dass ich es innerhalb so kurzer Zeit so oft brauchen würde.

Ich nähere mich einem Abenteuerspielplatz, doch der weitere Weg ist ohne Hinweise auf eine Alternative abgesperrt. Als Grund wird Waldbekalkung angegeben. Da ich nicht weiß, was das bedeuten soll, denke ich mir, dass es schon nicht so schlimm sein wird und gehe an der Absperrung vorbei. Dieser Tag entwickelt sich zu einer wahren Geduldsprobe. Denn Waldbekalkung bedeutet, ein Hubschrauber verstreut mehrere Tonnen Kalk über den Wäldern, um den pH-Wert des Waldbodens zu verbessern. Und da ist auch schon der Helikopter. Nur wenige hundert Meter von mir entfernt dreht er seine Runden und wirft immer wieder Ladungen Kalk ab. Die Luft ist staubig und es ist wirklich unangenehm. Jedoch fliegt der Hubschrauber zum Glück nicht über mich hinweg. Ich beeile mich, schnell weiter zu kommen, was sich dank zahlreicher umgestürzter Bäume auch nicht immer als leicht erweist. Aber dafür fühlt es sich nach Abenteuer an.

Versperrter Wanderweg

Erneut muss ich die Autobahn kreuzen, dieses Mal durch einen unheimlichen Tunnel. Meine Füße beginnen zu schmerzen und ich bekomme langsam Muskelkater in den Beinen. Mir fällt auf, dass ich viel zu wenig Pausen gemacht habe und ich nehme mir vor, das zu ändern. Sobald die A7 nicht mehr zu hören ist, stoße ich hinter einem Wald endlich mal wieder auf eine größere, trockene Heidefläche. Ich breite meine Zeltplane am Wegesrand aus, finde auch noch einen Brombeerstrauch und pflücke mir eine Hand voll Beeren. Cosmo bekommt auch eine. Zum Mittag gibt es Brot, Beeren und Fruchtriegel. Mein Wasser ist schon fast wieder leer, heute ist es wirklich heiß.

Trotzdem schwinden meine Kräfte. Meine Waden brennen mit jedem Schritt mehr, während ich durch das ehemalige Truppen-Übungsgebiet wandere. Hier gibt es kaum eine Chance auf Schatten, Cosmo hechelt ununterbrochen. Der Panzer-Pfad führt scheinbar endlos geradeaus. Ich beschließe, Cosmo den letzten Rest des Wassers zu geben. Es fühlt sich an, als würde ich durch die Wüste laufen. Die Sonne brennt auf uns herunter, bin ich wirklich heute morgen erst in Bispingen herum spaziert?

Der endlose Wanderweg

Ich kann nicht mehr. Ein Blick aufs Handy verrät: Wenn ich den Heidschnuckenweg hier ein Stück weit verlasse, gäbe es da eine Bushaltestelle in einem Kilometer Entfernung. Diesen Weg schlage ich ein und das Timing des Busses Richtung Soltau hätte nicht besser sein können. Ich steige ein und fühle mich schlecht. Ich habe versagt. Wie gern wäre ich noch am Heidepark vorbei gewandert. Doch es ging wirklich nicht mehr. Und der Hund brauchte schließlich Wasser. Ich schleppe mich zu meinem Hotel. So habe ich an diesem Tag nur 14 Kilometer gemeistert, von den 23 Kilometern dieser Etappe. Immerhin ist das Familienzimmer wirklich schön und groß. Es ist erst Nachmittag, aber ich schlafe sofort ein. Cosmo auch. Einige Stunden später wache ich wieder auf, es ist erst 17 Uhr. Per Handy suche ich nach einer Bahnverbindung von Soltau nach Hamburg für den nächsten Tag. Kann ich das wirklich machen?

Soltau

Ich schlüpfe in meine Flipflops und Shorts und gehe in der Fußgängerzone von Soltau eine Pizza essen. Ich beschließe, mich in der Soltau-Therme zu entspannen, glücklicherweise habe ich daran gedacht, meine Badesachen einzupacken, ein Handtuch nehme ich mir aus dem Hotel mit. Stundenlang entspanne ich in den warmen Sole-Becken, es ist wohltuend und ich tanke neue Energie. Ich schöpfe Hoffnung, dass ich den Rest des Heidschnuckenweges doch noch schaffen kann.

Fortsetzung folgt

Hier gibt’s meine Routen zum Nachwandern: Etappe 1, Etappe 2, Etappe 3

Hier gibt’s die richtigen Routen zum Nachwandern: Etappe 4, Etappe 5, Etappe 6

8 Gedanken zu “Etappen-Wanderung Heidschnuckenweg Teil 1

    1. Liebe Sandra, danke für deinen Konmentar! Ich freue mich, dich für den Heidschnuckenweg begeistern zu können! Die Unterkünfte sind alle zu empfehlen, nur die in der Nähe von Bispingen war leider sehr weit außerhalb, weswegen ich auch keinen Link dahin eingefügt habe.
      Liebe Grüße,
      Maike

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